Der POS befindet sich im Umbruch: Händler-Apps konkurrieren mit Rabatten und Treueprogrammen, nachhaltige Konzepte setzen neue Standards bei Displays, und digitale Instore-Medien verändern die Shopper-Ansprache. Neue Strategien sind gefragt, um Markeninszenierung und Absatzförderung erfolgreich zu gestalten.

Das dynamische Umfeld POS wird zunehmend durch den Wettbewerb der Händler-Apps, nachhaltige Konzepte sowie digitale Technologien geprägt. Diese Entwicklungen beeinflussen maßgeblich die Gestaltung von Shopper- und Brand-Aktivierungen und stellen Markenartikler wie Händler vor neue Herausforderungen.

Battle der Händler-Apps

Die Apps von Rewe, Kaufland, Lidl, Obi, Bauhaus, dm und Rossmann konkurrieren mit exklusiven Rabatten. Ein Verteilungskampf um die Gunst der Shopper ist entbrannt. Mehr als die Hälfte der registrierten Kunden nutzt diese Apps mehrmals wöchentlich, ein Drittel mehrmals im Monat laut IFH Köln. 56 Prozent der Nutzer geben an, häufiger bei einem Händler einzukaufen, ein Drittel erhöht dabei die Ausgaben.
Die durchschnittlichen Einsparungen durch Bonusprogramme sind jedoch moderat, bezogen auf den Bon: Smhaggle analysierte 1,26 Millionen Kassenbons und ermittelte Ersparnisse zwischen 0,75 Prozent (Penny-App) und 2,29 Prozent (Kaufland Card). Im Gegensatz dazu ermöglichen gezielte Aktionskäufe Ersparnisse von bis zu 30 Prozent – häufig auf Sortimentseckartikel. Rabatte sind das zentrale Differenzierungsmerkmal im App-Wettbewerb. Markenartikler sitzen damit beim Preiswettbewerb der Händler zwischen den Stühlen, die Margen sinken – ebenso wie die Ressourcen für qualitative Brand- und Shopper-Aktivierungen. Marken verlieren an Wert und werden preisgünstig an App-User veräußert. Das Ergebnis: Shopper lernen, auf das nächste Schnäppchen zu warten, um dann zu bevorraten.

Nachhaltigkeit am POS

Die Prinzipien der 6 R – Reduce, Reuse, Recycle, Rethink, Refuse und Repair – gewinnen am POS an Bedeutung. Die Materialreduktion (Reduce) ist auf der Verkaufsfläche sichtbar: Kurzfrist-Displays sind minimalistischer gestaltet und konzentrieren sich auf das Wesentliche. Permanentdisplays werden modular und langlebig konzipiert (Rethink), um eine längere Nutzung zu ermöglichen. Kreislaufsysteme etablieren sich, sowohl für Kurzfrist-Aktionsdisplays als auch für Permanent-Displays (Reuse, Repair). Diese Maßnahmen reduzieren den CO2-Fußabdruck und entsprechen den Erwartungen umweltbewusster Shopper. Die Herausforderung: Unter Berücksichtigung von 6 R attraktive und wirkungsvolle Markeninszenierung sicherzustellen.

Masse und Klasse

Viertelpaletten-Displays sind weiterhin die am weitesten verbreitete Promotion-Maßnahme am POS. Aktuell zeichnen sie sich durch eine auffällige Schlichtheit aus: warentragende Konstruktionen sind funktional und auf hohe Warenkapazität ausgelegt. Teilweise erfüllen sie nur noch die Funktion als Warenträger und dienen weniger der Markeninszenierung. Die Aufgabe der Inszenierung übernehmen dann – wenn möglich – POS-Dekorationen und Rahmendisplays, die die Warenträger umrahmen und Marken zum Leben erwecken. Ein Beispiel ist die Großplatzierung der Marmeladenmarke d’arbo, bei der einfache Viertelpaletten-Displays durch ein aufwändiges Rahmendisplay verbunden und aufgewertet werden.

Neue Player: Retail und Instore Media

Digitale Instore-Medien gewinnen am POS zunehmend an Bedeutung. Screens am Markteingang sind in den vergangenen zwölf Monaten zum vertrauten Anblick geworden. Sie informieren Kunden über aktuelle Angebote. Digitale Preisschilder und interaktive Displays flexibilisieren die Kommunikation. Richtig angewendet, fangen Bewegtbildinhalte die Aufmerksamkeit der Shopper deutlich besser ein. Händler wie Obi und Rewe gehen voran und integrieren Retail Media in ihre Shopper-Aktivierungsprogramme und stellen diese der Industrie zur Verfügung.

Kassenzone im Wandel

Die Anzahl der Self-Check-Out-Kassen im deutschen Handel wächst rasant. Dies spart Personalkosten, führt jedoch zu Herausforderungen in der Kassenzone als Verkaufsfläche. Bisher fehlen überzeugende Konzepte, um in Self-Check-Out-Bereichen Kaufanreize zu setzen. Impulsgetriebene Warengruppen wie Kaugummi oder süße Snacks sind besonders betroffen. Innovative Lösungen wie das Self-Check-Out-System der Firma Deinzer, vorgestellt in display Ausgabe 3/2025, bieten integrierte Werbeflächen und digitale Kaufanreize, um diesen Herausforderungen zu begegnen und die Kassenzone als Verkaufszone zu erhalten.
Die Entwicklungen am POS zeigen eindrücklich, wie vielfältig und komplex die Herausforderungen für Handel und Markenartikler sind. Im Folgenden analysieren Wolfgang von Hagen, Vertriebsleiter bei decor metall, und Matthias Wirges, Brand-Activation-Spezialist, die Lage und geben Einblicke aus der POS-Praxis.