Gesellschaftliche Veränderungen, neue Konsumgewohnheiten und digitale Lösungen eröffnen große Chancen, stellen die Branche aber auch vor neue Herausforderungen. Warum gerade jetzt Flexibilität, Innovation und Kundennähe wichtiger denn je sind, erklärt Marc Bartsch, Vice President Sales Independent Customers & E-Commerce, Lekkerland SE, im Interview.

display: Wie schätzen Sie die aktuelle Entwicklung im Bereich Kiosk und Convenience Stores ein?

Marc Bartsch: Die Geschäftsaussichten für Kioske und Convenience Stores sind grundsätzlich gut. Denn aufgrund von gesellschaftlichen Entwicklungen wie der wachsenden Zahl an Ein-Personen-Haushalten und veränderten Ernährungsgewohnheiten bietet das Segment des Unterwegskonsums vielversprechende Perspektiven. Hinzu kommt, dass insbesondere Kioske in vielen Regionen weiterhin ein fester Bestandteil des sozialen Lebens sind, mit einer treuen Stammkundschaft. Herausforderungen sind wie für andere Branchen auch die aktuell schlechte Konsumstimmung und hohe Sparneigung der Konsumentinnen und Konsumenten. Schon seit Längerem erschweren zudem Personalmangel sowie die gestiegene Wettbewerbsintensität, unter anderem durch längere Öffnungszeiten von Supermärkten und Discountern, das Geschäft von Kiosken und Convenience Stores. Um gute Voraussetzungen für eine erfolgreiche Entwicklung zu schaffen, bedarf es einer professionellen Herangehensweise, die das Angebot des Kiosks – vom Sortiment über die Preise bis hin zu den Services – optimal auf den Bedarf der jeweiligen Kundschaft ausrichtet. Dabei sind ein ausgewähltes Sortiment mit Bestsellern und angesagten Trend-Artikeln sowie digitale Lösungen wie mobile und digitale Bezahlmöglichkeiten wichtige Erfolgsfaktoren.

display: Welche Trends sehen Sie speziell für den kleinflächigen Einzelhandel in Bezug auf Kassensysteme und digitale Lösungen?

Marc Bartsch, Vice President Sales Independent Customers & E-Commerce, Lekkerland
Marc Bartsch, Vice President Sales Independent Customers & E-Commerce, Lekkerland Foto: privat

Marc Bartsch: Digitale Anwendungen, teilweise mit künstlicher Intelligenz, unterstützen Bestandsprognosen und automatisieren Entscheidungen – Technologien, die bislang vor allem im großen Einzelhandel etabliert waren, nun aber vermehrt im Convenience-Segment ankommen. POS-Lösungen sollten bei Personalengpässen Prozesse wie Bestandsverwaltung oder Preisanpassungen mit übernehmen oder unterstützen können, was entsprechende technische Standards voraussetzt. Besonders der Checkout-Bereich gilt als Treiber der Modernisierung, etwa durch Self-Checkout Lösungen.

display: Welche Innovationen sehen Sie in den nächsten Jahren im Bereich POS für kleine Verkaufsflächen?

Marc Bartsch: Wir beobachten, dass Kundinnen und Kunden ihre Verkaufsstellen mit Automaten ausstatten oder die Verkaufsstelle in den Außenbereich „verlängern“ und Öffnungszeiten durch Automaten ausweiten. Hinzu kommen Neueinsteiger, die mit dem Betrieb von Snackautomaten in die Branche starten.

display: Welche Ansprüche stellen Shopper an Convenience Stores oder Kioske?

Marc Bartsch: Kundenorientierung, Freundlichkeit und Schnelligkeit zeichnen den typischen Kiosk aus. Vielerorts sind sie mehr als nur ein Ort für einen schnellen Kaffee, Zeitschrift oder Schokoriegel. Sie sind oftmals ein fester Teil der Nachbarschaft. Aber das alleine reicht nicht, um einen Kiosk oder Convenience Store erfolgreich zu betreiben. Verbraucher haben derzeit eine ausgeprägte Sparneigung und schauen sehr genau auf die Preise. Auch sind ihre Ansprüche an Qualität und Vielfalt des Angebots gestiegen. Darüber hinaus erwarten viele Konsumentinnen und Konsumenten heute, dass sie bargeld- und kontaktlos bezahlen können. Insbesondere junge Leute nutzen darüber hinaus gerne 24/7-Versorgungsmöglichkeiten, wie sie beispielsweise Snackautomaten bieten.