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Nachhaltigkeit und Digitalisierung als Treiber
Trends im Ladenbau: Vom Regal zur Bühne
Im Einzelhandel geht es heute um weit mehr als „nur“ den Warenverkauf. Gerade die großen Trends der heutigen Zeit treiben den Wandel der Branche voran. Entscheidend sind dabei ganzheitliche Konzepte.
Erinnern Sie sich noch an die Zeiten, zu denen Sie beim Betreten eines Supermarktes erst einmal umständlich durch ein Drehkreuz mussten? Oder es auf der Verkaufsfläche vor allem darum ging, die Waren zu präsentieren? Diese Zeiten sind heute längst vorbei und es ist zu einem radikalen Perspektivwechsel im Handel gekommen. „Der Ladenbau ist ein strategisches Instrument, um Markenidentität sichtbar zu machen, Alleinstellungsmerkmale hervorzuheben und Einkaufserlebnisse nachhaltig zu prägen“, erläutert Peter Hartmann, Vice President Retail Solutions bei Wanzl. In der praktischen Umsetzung zeigt sich das besonders im Fokus auf Erlebnis und Markenpräsentation. „Im Mittelpunkt steht die Inszenierung der Händler-DNA durch Storytelling und ein erlebnisorientiertes Design, das emotionale Bindung schafft“, so Hartmann weiter. Gleichzeitig betont er, dass dieser Übergang ein kontinuierlicher Prozess ist: „Dabei sind modulare Systeme und gezielte Fresh-ups stärker im Fokus als großflächige Neubauten.“
Nachhaltigkeit muss mit Leben gefüllt werden
Der Umbau eines bestehenden Ladens mit Verzicht auf einen großflächigen Neubau kann als nachhaltiges Vorgehen betrachtet werden. Auch bei anderen Aspekten spielt Nachhaltigkeit eine wichtige Rolle. Aufgrund der hohen gesellschaftlichen Bedeutung und dem positiven Image des Themas besteht jedoch die Gefahr, dass es rein zur Imagepflege missbraucht wird – Stichwort Greenwashing. Peter Hartmann appelliert deshalb an Händler, das Thema mit Leben zu füllen: „Das Thema Nachhaltigkeit zeigt sich weniger in plakativen Versprechen, sondern in der realen Qualität, Flexibilität und Lebensdauer der verwendeten Lösungen.“ Er beobachtet, dass die Nachfrage nach Nachhaltigkeit vorhanden ist: „Händler fragen sehr konkret nach Materialbeschaffenheit und stellen detaillierte Fragen zu Oberflächen, Kunststoffen und Produktionsstandards.“

Dass gerade im Bereich der Materialien Nachhaltigkeit viele Dimensionen umfasst, zeigt die Studie „Plant an idea“, die Umdash Store Makers im Jahr 2023 auf der Euroshop durchgeführt hat. Dabei wurden Händler befragt, welche nachhaltigen Rohstoffe bereits verfügbar sind. Im Ergebnis zeigte sich, dass Nachhaltigkeit bedeuten kann, dass Material sowohl aus nachwachsenden Rohstoffen bestehen als auch recyclingfähig sein kann. Weitere Aspekte, die hier eine Rolle spielen können, sind Ressourcenschonung, Energieeinsparungen und Emissionseinsparungen. Auch Faktoren wie Nutzungsdauer, Einsatzort und Verwendungsart sind hier von Bedeutung.
Digitale Technologien sind gefragt
Neben Nachhaltigkeit ist die Digitalisierung der zweite große Megatrend, der die aktuelle Zeit prägt. Diese macht auch vor dem Einzelhandel nicht halt, wobei hier das aktuellste Produkt des technologischen Wandels eine immer wichtigere Rolle spielt. „Digitalisierung und KI beeinflussen den Ladenbau zunehmend funktional“, erläutert Hartmann, demzufolge es hier viele unterschiedliche Möglichkeiten gibt: „Immersive Elemente, digitale Touchpoints oder interaktive Möbel unterstützen die Warenpräsentation.“ Beispiele für immersive Elemente im Ladenbau sind Digital-Signage- Anwendungen, die auf den Kontext reagieren, sich in Echtzeit anpassen und den Shopper zur aktiven Teilnahme einladen. Wenn Händler zusätzlich zum stationären Geschäft noch über einen Onlineshop verfügen, können sie Kiosksysteme einsetzen, mit denen Kunden auf den Online-Katalog zugreifen können. Auch für interaktive Möbel gibt es eine Vielzahl von Möglichkeiten, beispielsweise Lift-and-Learn- Anwendungen, bei denen Kunden nach dem Hochheben eines Produkts weiterführende Informationen über dieses erhalten.
Diese Beispiele verdeutlichen, dass technologische Innovationen das Einkaufserlebnis zwar erheblich verbessern können, ihr Erfolg jedoch maßgeblich von einer ganzheitlichen Umsetzung abhängt. In diesem Zusammenhang betont Peter Hartmann, dass Geschäfte ihr Augenmerk nicht ausschließlich auf die Technik richten sollten: „Erfolgreiche Kaufleute investieren sowohl in ihre technologische Infrastruktur als auch in Design.“
Shopkonzepte der Zukunft ausgezeichnet
Die aktuellen Trends im Ladenbau standen Ende Februar auf der Euroshop in Düsseldorf im Zentrum. Dabei wurden auch fünf Shopkonzepte mit einem begehrten Award ausgezeichnet, darunter zwei aus Deutschland. Seit 2008 zeichnen die Messe Düsseldorf und das EHI Retail Institute beim Euroshop Retail Award die besten Storekonzepte weltweit aus. Dieses Jahr bewarben sich 122 Unternehmen aus 30 Ländern um die Auszeichnung.
Der Preis in der Kategorie „Digital“ ging in diesem Jahr an das Media Markt Tech Village in Hamburg. Dieses setzt laut Jury neue Maßstäbe im erlebnisorientierten Elektronikhandel und begeistert die Shopper mit digitalen Inszenierungen, Erlebniszonen und Omnichannel-Services. So vereint der Shop Retail, Gaming, Services und Community-Flächen zu einer interaktiven Dimension.


Den Award in der Kategorie „Sustainability“ sicherte sich der Intersport Finke + Fashion Store in Bielefeld. Der Markt in der größten Stadt Ostwestfalens setzt gezielt auf Kreislaufwirtschaft, Wiederverwendung von Materialien sowie energieeffiziente Ansätze und lässt auf diese Weise Nachhaltigkeit, regionale Verbundenheit und ein umweltfreundliches Einkaufserlebnis miteinander verschmelzen.
Auch der Preis in der Kategorie „Fashion & Lifestyle“ ging an einen Shop aus
dem deutschsprachigen Raum, nämlich das House of Silhouette in Wien. Laut Jury interpretiert das Augenoptikergeschäft den Brillenkauf neu und verbindet High-End-Retail mit Event- und Ausstellungsflächen. Eingebettet in ein historisches Gebäude mitten in der Altstadt ermöglichen flexible Raumstrukturen, innovative Materialien und digitale Anwendungen ein personalisiertes Kundenerlebnis und machen den Store zu einer wandelbaren Bühne für Design, Mode und Technologie.


Mit einem außergewöhnlichen Storekonzept verbindet der Cyberculture Supermarket im ukrainischen Lviv den Lebensmitteleinzelhandel mit Cyberkultur und E-Sports. Auf diese Weise wird ein immersives Einkaufserlebnis geschaffen, das vom ukrainischen E-Sport- Team Navi inspiriert wird. Laut Jury setzt der Markt mit seinem futuristischen Design, interaktiven Installationen und moderner Technologie neue Maßstäbe im erlebnisorientierten Food-Retail und würdigt zugleich nationale Kreativität und Innovationskraft. Der Lohn: Der Euroshop Retail Award in der Kategorie „Food“.
In der Kategorie „Hospitality“ ging der diesjährige Euroshop Retail Award nach Südamerika: Die Casa Garbo in der peruanischen Hauptstadt Lima vereint ein hybrides Konzept aus Restaurant, Bar, Nachtclub und Kunstgalerie zu einem ganzheitlichen Erlebnisraum. Laut Jury entsteht durch die gelungene Verbindung von historischer Architektur, zeitgenössischem Design und kulturellem Storytelling ein vielseitiger Ort, der Gastronomie, Kunst und Entertainment auf einzigartige Weise verbindet.



