Der erste Blick ist am POS oft von entscheidender Bedeutung. Durch die Nutzung von Innovationen bei Veredelungstechniken schaffen Marken in mehrfacher Hinsicht nachhaltige Aufmerksamkeit für ihre Produkte.

Die meisten Informationen unserer Welt nehmen wir mit den Augen wahr. Da POS-Materialien meist der erste Kontaktpunkt zwischen Shopper und Produkt im Handel sind, ist es für Marken wichtig, am POS herauszustechen. „Wir sehen durchaus den Trend, sich am POS durch Veredelung von Marktbegleitern abzusetzen“, berichtet Achim Herzog, Geschäftsführer von swissqprint.

Wie diese Veredelungen im Detail aussehen, ist gerade im Druckbereich eine sehr individuelle Angelegenheit. „Je nach Branche unterscheiden sich die Anforderungen deutlich. Im Retail stehen aufmerksamkeitsstarke, kontrastreiche und haptische Effekte im Fokus, die gezielt Kaufimpulse auslösen. Im Luxus- und Premiumsegment dominieren subtile Veredelungen wie feine Strukturen, Matt-/Glanz-Effekte oder Reliefs, die Hochwertigkeit und Exklusivität unterstreichen“, erläutert Jens-Peter Wilms, Senior Product Business Developer bei Canon Deutschland. Wie diese Anforderungen konkret umgesetzt werden, ist Herzog zufolge immer auch eine wirtschaftliche Frage: „Am Ende entscheidet das Budget des POS-Produktes die Art der Veredelung.“ Das gilt besonders für den Druckbereich. „Je mehr Durchgänge gedruckt werden müssen und je preisintensiver das Basismaterial ist, desto mehr verschiebt sich der Einsatz von der Masse zur Sonderanwendung“, so Herzog weiter.

Porträt Jens-Peter Willms, Senior Product Business Developer ­Canon Deutschland.
Jens-Peter Willms, Senior Product Business Developer ­Canon Deutschland Foto: Canon
Nahaufnahme Lacome-Verpackung mit glänzender Oberfläche
Aufsteller Lacombe
Nahaufnahme Lacome Display

         Gerade hochwertige Produkte können sich mittels Veredelung erfolgreich am POS absetzen. Fotos: Swissqprint

                                           Ein schöner Schnitt

Lars Bendixen
Lars Bendixen, Global Market Manager Sign & Packaging Zünd Systemtechnik Foto: Zünd Systemtechnik

Der Druck muss für POS-Materialien nicht der letzte Schritt des Veredlungsprozesses sein. So kann ihre Hochwertigkeit danach durch den Zuschnitt weiter unterstrichen werden. „Exakte Schnittkanten sind unmittelbar sichtbar und prägen die Qualitätswahrnehmung. Präzision in der Konturführung, saubere Kantenbilder und filigrane Details sorgen für eine hochwertige Anmutung und stärken die visuelle Wirkung der Marke am POS. Gerade im Premiumumfeld entscheiden diese Details über Aufmerksamkeit und Differenzierung“, erläutert Lars Bendixen, Global Market Manager Sign & Packaging bei Zünd Systemtechnik. Wichtig ist dabei vor allem, dass die Veredelungsschritte gut zusammenpassen: „Gerade bei POS-Displays, die bedruckt in den Zuschnitt gehen, ist ein zentrales Präzisionsmerkmal, dass Schnitt und Druckbild übereinstimmen“, so Bendixen weiter.

Erreicht werden kann dies durch den Einsatz der richtigen Technologie. „Präzise digitale Schneidsysteme sind ein zentraler Enabler für hochwertige POS-Anwendungen. Sie gewährleisten maximale Präzision und Wiederholgenauigkeit – auch bei häufig wechselnden Designs oder individualisierten Auflagen. Entscheidend ist dabei das Zusammenspiel aus leistungsfähiger Hardware, intelligenter Software und durchgängigen digitalen Workflows“, erläutert Bendixen.

Mitarbeiter bearbeitet ausgeschnittenes Display auf Arbeitstisch
Für hochwertige POS-Materialien ist ein perfekter Schnitt entscheidend. Foto: Zünd Systemtechnik
Routing System Zünd Systemtechnik
Das Routing System von Zünd Systemtechnik sorgt für einen maximal präzisen Schnitt. Foto: Zünd Systemtechnik

Um individuelle Kundenvorgaben umzusetzen, stellt Zünd Systemtechnik ein beites Portfolio an Techniken zur Verfügung. „Moderne digitale Schneidsysteme von Zünd kombinieren unterschiedliche Technologien in einer modularen Plattform. Das Werkzeugportfolio für die Herstellung von POS-Displays umfasst oszillierendes Schneiden, Fräsen, Rillen, Perforieren oder das Erstellen von V-Cuts. Ergänzt durch kamerabasierte Registrierung und automatisiertes Nesting lassen sich selbst komplexe Formen und präzise Konturen effizient und materialoptimiert realisieren. Diese modulare Erweiterbarkeit ist ein entscheidender Faktor für maximale Gestaltungsfreiheit und Investitionssicherheit“, berichtet Bendixen. Das ist vor allem wichtig, um die unterschiedlichsten Kundenanforderungen zu erfüllen: „Die größte Herausforderung liegt in der Komplexität und Materialvielfalt moderner POS-Anwendungen. Dazu zählen beispielsweise Wellpappe, Acryl, Dibond oder auch Holz. Jedes Material erfordert spezifische Werkzeuge, Parameter und Prozesslogiken“, so Bendixen.

Christian Dürr
Christian Dürr, Sales Manager SEI Laser Foto: SEI Laser

Der Zuschnitt von POS-Materialien kann nicht nur mittels eines Messers, sondern auch mit Lasertechnologie erfolgen. „Besonders stark performt sie bei Displays, Lightboxes, Warendisplays und Premium-Verpackungen“, berichtet Christian Dürr, Sales Manager von SEI Laser, bei welchen POS-Materialien diese Technologie die größte Wirkung erzielt. Entsprechend sind auch ihre Nutzer aufgestellt: „Zu unseren Hauptkunden zählen Spezialisten aus der Kunststoff- und Verpackungsverarbeitung, innovative Digitaldrucker und Werbetechniker sowie der anspruchsvolle Ladenbau und die Markenartikelindustrie“, so Dürr weiter.

Ähnlich wie im Druckbereich erfordert auch der Einsatz von Lasertechnologie individuelle Anpassungen: „Die Anforderungen variieren stark nach Produktart: Während bei Großdisplays maximale Geschwindigkeit zählt, erfordern filigrane Aufsteller feinste Geometrien und präzise Gravuren für die Markenästhetik.“ Die Berücksichtigung spezieller Begebenheiten ist aber nicht nur bei unterschiedlichen Produktarten wichtig: „Noch entscheidender ist das Material: Acryl verlangt perfekt glänzende, polierte Schnittkanten ohne Nacharbeit. Holz hingegen erfordert eine präzise Absaugung und höchste Strahlqualität, um schmauchfreie, edle Oberflächen zu garantieren. Bei Kartonagen und Wellpappe geht es um rasanten, berührungslosen Schnitt und Falzlinien ohne Verzug“, so Dürr.

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Der Stoff, der alles zusammenhält

Gerade bei Kartonagen und Wellpappe kommt zudem eine der ältesten Verbindungstechniken der Welt zum Einsatz: „Klebetechnik spielt bei hochwertigen POS-Materialien eine zentrale Rolle, da sie Stabilität, Optik und Veredelung maßgeblich beeinflusst“, erläutert Stephan Keimer, Sales Manager bei Bickers, demzufolge sich der Einsatz von Klebstoffen in doppelter Hinsicht positiv auswirkt: „Die Wahl des richtigen Klebstoffs entscheidet darüber, ob veredelte Oberflächen dauerhaft und optisch einwandfrei verbunden werden können. Saubere, nahezu unsichtbare Verklebungen steigern die Wertigkeit und Haltbarkeit des Produkts.“

Dies ist besonders dann möglich, wenn Gleiches auf Gleichem geklebt wird. „Eine besondere Herausforderung im POS-Bereich ist die Verbindung unterschiedlichster Materialien wie Karton, Wellpappe, Kunststoff oder Verbundwerkstoffe sowie die Umsetzung komplexer Formen und individueller Designs. Hier sind präzise und reproduzierbare Klebeprozesse gefragt“, erläutert Keimer, der auch extreme Belastungen oder schwer zu verklebende Oberflächen als Grenzen der Klebetechnologie bezeichnet. „Durch die Kombination aus geeignetem Klebstoff und moderner Auftragstechnik lassen sich heute jedoch auch viele dieser Herausforderungen erfolgreich lösen“, so Keimer weiter.

Porträt Stehan Keimer
Nahansicht von Klebstoff auf Verpackungsmaterial
Materialien wie Papier, Karton oder Wellpappe eignen sich ideal für Klebetechniken. Foto: Bickers
Klebeplotter Gluejet
Der Klebeplotter Gluejet von Bickers ermöglicht einen digitalen, punktgenauen Klebstoffauftrag. Foto: Bickers

Kreislaufkonzepte gefragt

Bei POS-Materialien spielt längst nicht nur ihre Verwendung eine Rolle, sondern auch die Zeit danach. So wird gerade vor dem Hintergrund der ab diesem Jahr anzuwendenden europäischen Verpackungsrichtlinie PPWR sowohl die Reduktion von Verpackungsmüll als auch die Kreislauffähigkeit immer wichtiger. Achim Herzog zufolge gibt es bezüglich der Nachhaltigkeit im Bereich der Materialien drei wesentliche Bausteine: nachhaltige Basismaterialien aus nachwachsenden Rohstoffen, sortenreine Materialien, die sauber recycelt werden können oder aber angeschlossene Recyclingprozesse für komplexere Materialien.

Achim Herzog
Achim Herzog, Geschäftsführer Swissqprint Foto: Swissqprint

Die Umsetzung der Nachhaltigkeitsbestrebungen sorgt für Anpassungsbedarf in der Druckbranche. So ist es laut Jens-Peter Wilms wichtig, Veredelungskonzepte so zu gestalten, dass sie mit recyclingfähigen Materialien und Kreislaufkonzepten vereinbar bleiben. Auch die künftige Wahl des Materials bringt neue Herausforderungen für die Branche mit sich: „Gehen wir davon aus, dass mehr und mehr Rezyklate oder zumindest weniger Genuine-Material in Umlauf kommt, werden die Anforderungen an den Druck höher, da eine breitere Varianz der Materialzusammensetzung eine breiter aufgebaute Tinte benötigt, die gute Verdruckbarkeit aber auch gute Haftung und Farbeigenschaften hat“, prognostiziert Achim Herzog. Zudem müssten Verpackungshersteller in Zukunft noch genauer hinschauen, von wo sie ihr Material beziehen. „Selbst wenn man nicht die Rezyklate im Blick hat, wird der Markt für Genuine-Material immer globaler und unterliegt einem Preiskampf, sodass mehr unterschiedliche Hersteller (vornehmlich aus Asien) auf den Markt kommen und die Konstanz des Materials dadurch beeinflusst wird“, so Herzog.

Die Bedeutung von Nachhaltigkeit in der Druckbranche betrifft aber nicht nur das Material, sondern auch den Druckvorgang selbst. „Energieeffiziente Systeme, emissionsarme Tinten und optimierte Prozesse schonen Ressourcen“, so Jens-Peter Wilms. Eine wichtige Rolle bei der Ressourcenschonung bei der Produktion von POS-Materialien spielen digitale Technologien wie beispielsweise ein digitaler, punktgenauer Klebstoffauftrag mithilfe eines Klebeplotters. „Dadurch lassen sich auch anspruchsvolle Konturen zuverlässig verarbeiten, während gleichzeitig Klebstoffverbrauch, Ausschuss und Rüstzeiten reduziert werden. Das erhöht sowohl die Prozesssicherheit als auch die Nachhaltigkeit“, erläutert Stephan Keimer.

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Besser dank KI und Robotik

Neben Nachhaltigkeit sind Digitalisierung und Automatisierung wichtige Megatrends der aktuellen Zeit. Welche Bedeutung diese künftig für die Produktion von POS-Materialien haben, wird innerhalb der Branche unterschiedlich gesehen. „KI und Robotik werden die Druckbranche nicht grundlegend verändern, aber wohl doch stark ergänzen. Durch den Einsatz von KI können Prozesse in allen Ebenen der Branche, von der Vorstufe bis zur Auslieferung verbessert und effizienter gestaltet werden. In Kombination mit Robotik werden die einzelnen Arbeitsschritte noch effizienter und die maximalen Geschwindigkeiten der Maschinen können eher ausgereizt werden, da „Bottlenecks“ verloren gehen“, prognostiziert Achim Herzog.

Jens-Peter Wilms geht hingegen von einem viel größeren Impact der modernen Technologien auf die Branche aus: „KI und Robotik verändern die Druckbranche grundlegend und gehen weit über reine Effizienzsteigerungen hinaus. Im Großformat ermöglichen sie intelligente Prozesssteuerung, die automatisierte Optimierung von Druckdaten und skalierbare Personalisierung. Gleichzeitig schaffen sie stabile Workflows, verkürzen Rüstzeiten und helfen, dem Fachkräftemangel zu begegnen.“ Moderne Technologien können somit dabei unterstützen, eines der größten Probleme der Druckbranche zu beheben. So zeigte Ende 2025 eine bundesweite Umfrage des Bundesverbandes Druck und Medien, dass 56 Prozent der Unternehmen in der Druckindustrie personelle Engpässe haben, bei 84 Prozent aller Unternehmen führen die Auswirkungen des Fachkräftemangels zu einer höheren Arbeitsbelastung der Mitarbeiter. Technologien, die hier Abhilfe schaffen, sind also gerne gesehen.

Auch bei anderen Technologien zur Veredelung von POS-Materialien können moderne Techniken Probleme der Gegenwart lösen. „Die Integration von Robotik revolutioniert das Materialhandling noch weiter und ermöglicht zukünftig vollautomatische, mannlose Non-Stop-Produktionen von Palette zu Palette. KI wiederum optimiert das Nesting zur Materialeinsparung und übernimmt zukünftig vorausschauende Wartungen und Produktionsplanungen“, prognostiziert Christian Dürr, dass die Innovationen bei der Produktion von POS-Materialien nicht nur am POS selbst, sondern auch darüber hinaus positive Auswirkungen haben werden.