Bereits auf dem Weg zum POS können Marken einen Beitrag zur Ressourcenschonung leisten. Am POS selbst sind nachhaltige Materialien wie Holz und Wellpappe entscheidende Hebel. Auch Biokunststoffe können eine Rolle spielen, sind jedoch umstritten.

Nachhaltigkeit ist längst zu einem zentralen Erfolgsfaktor am POS geworden. Das zeigt eine im Herbst 2024 durchgeführte Studie der Technologieberatung Bearing Point in Zusammenarbeit mit dem Meinungsforschungsinstitut Odoxa. In dieser gaben 59 Prozent der deutschen Verbraucher an, bei ihrer Kaufentscheidung Nachhaltigkeitsaspekte zu berücksichtigen. Diese Aspekte können bereits in der Warenpräsentation berücksichtigt werden, beispielsweise mit der Verwendung von Permanent-Displays. Diese haben den Vorteil, dass sie häufig wiederverwendet werden können und damit keine häufige Neuproduktion notwendig ist. Marken können Nachhaltigkeitsaspekte besonders unterstreichen, wenn sie Displays aus Holz beziehungsweise recycelten Materialien nutzen.

Vollständiges Recycling möglich

Holz kann aber nicht nur direkt, sondern auch indirekt am POS platziert werden, nämlich in Form von Displays aus Zellstoff oder Wellpappe. Dieses Material überzeugt durch seine hohe Recyclingfähigkeit: Nach Angaben des Verbands der Wellpappen-Industrie e. V. (VDW) werden in Deutschland etwa 95 Prozent der Wellpappe wieder ins Recycling gegeben und rund 80 Prozent der deutschen Wellpappproduktion stammt aus Recyclingpapier. Somit muss für dieses Material nur relativ wenig Wald abgeholzt werden. Damit werden auch die Anforderung aus der EU-Entwaldungsverordnung erfüllt, die darauf abzielt, die Entwaldung und Waldschädigung weltweit zu reduzieren. Die in der Verordnung geregelten Pflichten treten für große und mittlere Unternehmen zum 30. Dezember dieses Jahres in Kraft, für Kleinst- und Kleinunternehmen am 30. Juli 2027.

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Die Paletten von Cone Pal bestehen vollständig aus Wellpappe. Foto: Cone Pal

Zudem bieten Displays aus Wellpappe den Vorteil, dass sie leicht und platzsparend zu transportieren sind, womit beim Transport weniger CO2-Emissionen anfallen. Weiteres Potenzial zur Einsparung von CO2-Emissionen sieht Perry Sommer in der Nutzung Paletten aus Wellpappe, wie sie Cone Pal herstellt: „Cone Pal reduzieren den ökologischen Fußabdruck am POS sofort und sichtbar: Sie bestehen aus recyceltem Material, sparen beim Transport bis zu 60 Prozent Volumen und senken CO2-Emissionen drastisch“, erläutert der Cone Pal-Geschäftsführer. Die Volumeneinsparung entsteht vor allem dadurch, dass die Cone Pal-Paletten ineinander gestapelt werden können. Auf diese Weise können bei einer Höhe von 2,06 Metern bis zu 80 Paletten übereinander gestapelt werden, bei gewöhnlichen Euro-Paletten sind es gerade einmal 14 Stück. Somit können deutlich mehr leere Paletten auf einmal ausgeliefert und viele LKW-Fahrten gespart werden.

Ein vollständig nachhaltiger POS

Perry Sommer zufolge haben die Cone Pal-Paletten nicht nur beim Transport Vorteile in Bezug auf Nachhaltigkeit: „Gleichzeitig ermöglichen sie echte Monomaterial-Displays – ein bislang unterschätzter Hebel, um Entsorgung und Prozesskosten im Handel zu vereinfachen und die Nachhaltigkeitsziele der Marken zu unterstützen.“ So können Wellpapp-Displays auf Wellpapp-Paletten platziert werden und alles kann ganz einfach mit dem gewöhnlichen Papiermüll entsorgt werden, wodurch die Transportwege für die Rücknahme der Paletten entfallen. Perry Sommer zufolge wird damit ein entscheidender Schritt hin zu einem nachhaltigen POS unternommen: „Wenn wir Nachhaltigkeit am POS ernst meinen, sollten wir genau dort beginnen, worauf täglich Millionen Produkte präsentiert werden: beim Ladungsträger.“ Dass sich Paletten aus Wellpappe noch nicht vollständig durchgesetzt haben, ist laut Sommer vor allem darauf zurückzuführen, dass viele Unternehmen nach wie vor an bekannten Materialien festhalten. „Die größten Hindernisse liegen weniger in der Technik als in etablierten Routinen. Viele Unternehmen greifen weiterhin zu Holz oder Kunststoff, obwohl nachhaltige Palettenlösungen wie die Cone Pal heute stabil, feuchtigkeitsresistent und wirtschaftlich sind.“

Perry Sommer, Geschäftsführer Cone Pal. Foto: Cone Pal
Sebastian Krug, Director Strategy, Digital Transformation & Sustainability Chep. Foto: Chep

Nachhaltig von Anfang bis Ende

Ebenfalls auf recyceltes Material setzt Chep. „Viele unserer In Store-Lösungen wie die Viertelpalette Q+, bestehen aus 100 Prozent Post-Consumer-Kunststoffabfällen“, berichtet Sebastian Krug, Director Strategy, Digital Transformation & Sustainability. Beim australischen Logistik-Unternehmen hört die Nachhaltigkeit aber nicht bei der Produktion auf. So verfolgt Chep ein Pooling-Konzept, was bedeutet, dass die Paletten im Umlauf behalten und nicht verkauft oder entsorgt werden. Dabei wird großer Wert darauf gelegt, dass die Warenträger häufig eingesetzt werden. „Chep-Paletten sind für lange Haltbarkeit und wiederholte Nutzung im Kreislaufsystem konzipiert. Nach jedem Einsatz werden sie geprüft und repariert, um höchste Qualitäts- und Sicherheitsstandards zu gewährleisten. So verlängert sich ihre Nutzungsdauer deutlich gegenüber Einweg- und Tauschmodellen“, so Sebastian Krug weiter, demzufolge mit diesem Konzept gleich mehrere Nachhaltigkeitsziele erreicht werden können: „Pooling reduziert CO₂-Emissionen durch weniger Neuproduktion und optimierte Transporte. Am POS entsteht weniger Abfall, da Einwegmaterialien vermieden und beschädigte Einheiten repariert werden. Pooling ersetzt das Einweg-Modell durch einen nachhaltigen Kreislauf und optimiert Zyklen auch im Vergleich zum Zug-um- Zug-Tausch.“

Auch bei Paletten gilt: Die beste Pflege macht nicht unsterblich. Wenn eine Chep-Palette nicht mehr nutzbar ist, wird sie jedoch nicht entsorgt, sondern wiederverwertet: „Am Ende ihres Lebenszyklus werden die Komponenten recycelt und wie zum Beispiel die Viertelpalette für neue Paletten verwendet – ein Beitrag zu Nachhaltigkeit und Abfallreduzierung“, erläutert Sebastian Krug abschließend.

Das Pooling-Konzept bei Chep ermöglicht, gleich mehrere Nachhaltigkeitsziele zu erreichen. Foto: Chep

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Biokunststoffe als Alternative?

Während Holz schon seit Jahrtausenden eine wichtige Rolle als Verpackungsmaterial spielt, sind Kunststoffe eine relativ neue Erfindung. Den Vorteilen ihrer Vielseitigkeit in der Anwendung steht der große Nachteil entgegen, dass sie nicht biologisch abbaubar sind, wenn sie aus Rohöl bestehen. Als Alternative dazu haben sich in den letzten Jahrzehnten Bio- Kunststoffe etabliert. Ein Beispiel hierfür sind Kunststoffe aus Polymilchsäure (PLA), die aus Milchsäuremolekülen hergestellt werden, die aus nachwachsenden Rohstoffen wie Maisstärke oder Zuckerrüben gewonnen werden. Im Gegensatz zu den aus Erdöl hergestellten Kunststoffen sind PLA-Kunststoffe biologisch abbaubar und kompostierbar. Genau hier liegt jedoch ein wesentlicher Kritikpunkt an Biokunststoffen: So verweist der WWF darauf, dass die Kompostierfähigkeit aktuell lediglich eine theoretische Option ist, weil es bislang kaum entsprechende Anlagen gibt. Bei einer falschen Entsorgung könnten Biokunststoffe zudem ähnlich lange wie herkömmliche Kunststoffe in der Umwelt verbleiben. Biokunststoffe lassen sich außerdem nicht gemeinsam mit klassischen Kunststoffen recyceln und können damit laut TU Dresden die Qualität des Recyclingmaterials beeinträchtigen, wenn sie in konventionelle Wertstoffströme gelangen.