
12.02.2026
Review ISE 2026 – von Spielerei zum Arbeitswerkzeug
Neue Screens und Sensorlösungen machen digitale Flächen im stationären Handel effizienter planbar und messbar. Auf der Integrated Systems Europe (ISE) wurde sichtbar, welche Technologien den stationären POS in den nächsten Jahren prägen werden.
Die ISE 2026 verzeichnete mit 92.170 Besuchenden, 1.751 Ausstellern und 101.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche neue Rekorde. Hinter den Superlativen standen im Bereich Retail-Technik und Digital Signage jedoch weniger radikale Neuentwicklungen als vielmehr eine Reihe aufeinander aufbauender Fortschritte: Screens werden robuster und handelstauglicher, Systemarchitekturen einfacher, Energieverbräuche transparenter – und immersive Experiences rücken näher an den Alltag im Handel heran.
Von Technologie-Show zum Retail-Werkzeug
Im Segment Digital Signage, Digital-out-of-Home (DOOH) und Retail Media dominierten großformatige LCD- und LED-Lösungen, die stärker auf Verkaufsflächen zugeschnitten sind. Verbesserte Helligkeitssteuerung, Entspiegelung, Staubschutz, längere Laufzeitgarantien und durchdachtes Gehäusedesign zielen auf einen stabilen 24/7-Betrieb in offenen, hellen Umgebungen.
Im Premiumsegment greifen großformatige LED-Wände hochwertige Markeninszenierungen in Flagship-Stores, Lobbys und Showrooms auf. Vorkonfigurierte All-in-One-Systeme verkürzen die Installationszeit und reduzieren Integrationsaufwand. Darunter positionieren sich standardisierte 4K-Signage-Displays mit integriertem System-on-Chip, die ohne externe Mediaplayer auskommen und grundlegende Anwendungen zu einem kalkulierbaren Budget ermöglichen.
Seit wenigen Jahren versprechen E-Paper-Displays sich als Alternative zu Plakat, Textilspannrahmen und Co. zu entwickeln. Dieser Enthusiasmus ist auf der ISE 2026 spürbar geschrumpft. Zwar ist die Technologie, die unter anderem auch in Electronic Shelf Labels zum Einsatz kommt, sehr energieeffizient – eine AA-Mignon-Batterie ist ausreichend für rund 500 Bildwechsel – und macht sie damit zu idealen “Bildschirmlösungen” in Bereichen, in denen sich eine Stromversorgung als schwierig erweist, aber einige grundlegende Schwierigkeiten sind noch nicht behoben. So ist der Farbraum der E-Paper-Displays noch zu eingeschränkt. Stichwort Magenta. Auch die Größe der auf der ISE gezeigten E-Paper-Displays hat sich nicht weiterentwickelt. Aktuell erreichen Prototypen Abmessungen im Bereich von DIN A1 beziehungsweise 32 Zoll, was jedoch noch nicht dem angestrebten Spektrum an Formaten entspricht, um Plakate oder Textilspannrahmen zu ersetzen.

Trend 1: Reduzierte Komplexität
Ein zentrales Motiv war die Vereinfachung großflächiger Netzwerke. Im Fokus stand weniger die spektakuläre Einzelinnovation als die Frage, wie sich tausende Screens robuster, standardisierter und mit weniger Serviceaufwand betreiben lassen.
All-in-One-LED-Lösungen reduzieren den Installationsaufwand, da vormontierte Pakete modulare LED-Walls ersetzen. Integrierte Mediacontroller im Display senken die Zahl externer Komponenten, verringern Verkabelung und potenzielle Fehlerquellen.
Auf Infrastrukturebene bieten Steuer- und Monitoringlösungen wie der NEO-Controller von Nexmosphere eine engere Kontrolle des Betriebs: Leistungsdaten pro Ausgang, Start- und Shutdown-Sequenzen sowie Zeitpläne ermöglichen definiertes Hoch- und Herunterfahren. Über APIs und optionale Sensorik lassen sich Installationen automatisiert überwachen und bei Bedarf neu starten – ein Hebel, um Ausfallzeiten und Vor-Ort-Einsätze zu reduzieren.
Cloud-Plattformen für Gerätemanagement und Content-Ausspielung – etwa VXT oder Wave – bündeln Funktionen wie Firmware-Updates, Monitoring und Energiesteuerung. Trotz anhaltender Fragmentierung bei Plattformen und Betriebssystemen zeichnet sich ein Trend ab, eigene Ökosysteme so zu gestalten, dass sie in großen Netzwerken beherrschbarer werden.
Trend 2: Nachhaltigkeit und Energieeffizienz
Nachhaltigkeit war weniger Bühnen-, dafür umso stärker Daten- und Spezifikationsthema. Effizientere SoCs und LED-Controller senken Stromverbrauch und verlängern Produktlebenszyklen – Faktoren, die zunehmend in Total-Cost-of-Ownership-Betrachtungen einfließen.
Sony koppelt seine Displayentwicklung an die konzernweite Initiative „Green Management 2030“. Die neue Displaygeneration soll den Energiebedarf gegenüber der Vorgängerserie deutlich reduzieren und setzt verstärkt auf Recyclingkunststoffe wie Sorplas. Parallel adressieren LED-Systeme im mittleren Preissegment energieeffizienten Dauerbetrieb bei hoher Helligkeit, um Betriebskosten großformatiger Installationen zu senken.
Anbieter wie PPDS verankern Nachhaltigkeit in Architektur und Betriebsmodell: modulare Erweiterbarkeit statt Komplettaustausch, Cloud-Management zur Reduktion von Servicefahrten sowie Funktionen zur Steuerung von Betriebszeiten.
Nexmospheres Steuerlösungen übertragen dieses Prinzip auf die Verbrauchsseite: präzise Leistungsmessung, Zeitpläne und sensorgestützte Routinen – etwa das Zuschalten von Screens bei Präsenz – ermöglichen einen gezielten Betrieb energieintensiver Digital-Signage-Netzwerke inklusive Werbeausspielung bei Publikum und Abschaltung ohne Publikum.

Trend 3: Experience – 3D, Interaktion und AI-gestützte Workflows
Erlebnisorientierte Hardware tritt zunehmend aus der Experimentierphase heraus. Immersive Displays, Sensorik und AI-gestützte Content-Prozesse verschieben den Fokus von reiner Bespielung hin zu inszenierten, zugleich messbaren Markenerlebnissen.
Mit 3D-ähnlichen Signage-Formaten ohne Brille, wie dem Spatial-Display von Samsung, werden Objekte räumlich inszeniert, um Aufmerksamkeit zu bündeln und Produkte differenzierter darzustellen. In Kombination mit Content-Plattformen und AI-Anwendungen, die aus statischen Vorlagen bewegte Inhalte erzeugen, soll die Content-Produktion für solche Flächen effizienter werden.
Sony und Ameria demonstrierten ein gestengesteuertes 3D-Displaysystem, das dreidimensionale Produktdarstellungen berührungslos steuerbar macht – interessant für erklärungsbedürftige Sortimente und hochwertige Beratungszonen.
Sensorbasierte Konzepte wie „Lift and Learn“ von Nexmosphere verbinden Interaktion am Regal mit Datenerfassung und aktiver Ausspielung relevanter Contents. Beim Anheben eines Produkts starten erklärende Inhalte, während Kennzahlen zu Häufigkeit und Dauer der Interaktion gesammelt werden. Dies schafft eine Grundlage, um POS Promotions und Category Management datenbasiert weiterzuentwickeln.
Parallel wachsen Anforderungen an Cybersicherheit, Daten-Governance und Compliance. Sie waren auf der Messe weniger sichtbar, bilden aber den Rahmen, in dem AI-gestützte Workflows und vernetzte Retail-Mediennetze künftig betrieben werden müssen.

Weniger Spektakel, mehr Relevanz für den Retail-Alltag
Die ISE 2026 zeigte im Retail-Bereich keine spektakulären Sprünge, sondern eine Verdichtung von Entwicklungen, die unmittelbar in den Betrieb einzahlen: robustere und spezifischer auf Verkaufsflächen zugeschnittene Digital-Signage-Lösungen, vereinfachte Systemarchitekturen, stärker verankerte Energieeffizienz sowie erlebnisorientierte Hardware, die sich in konkrete Workflows und KPIs einbinden lässt.
Für Digital Signage, DOOH und Retail Media bedeutet dies eine Verschiebung weg von isolierten Showcases hin zu skalierbaren, betreibbaren Ökosystemen, in denen Technik, Betrieb und Markenführung am POS enger zusammenrücken.





